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Fachbereichsarbeiten und Einführung in die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens
Dr. Franz Humenberger/BRG Rohrbach

Zielsetzung - Empirische/Systematische Arbeiten - Gesetzliche Bestimmungen - Themenfindung - Einführung in das wissenschaftliche Arbeiten - Zitierschema - Literatur

1. Zielsetzung

Maturanten/Maturantinnen, die eine Fachbereichsarbeit schreiben, ersparen sich eine Klausur, haben also statt vier Klausuren nur drei zu schreiben.
Das Hauptziel einer FBA ist aber, durch eigenständiges, systematisches und planvolles wissenschaftspropädeutisches Arbeiten persönliche Fähigkeiten wie Kreativität, Flexibilität, Problemlösungsfähigkeiten, Durchhaltevermögen und Arbeitsplanung zu trainieren und zu entwickeln und die Studierfähigkeit zu verbessern. Der Gesetzgeber nennt folgende konkreten Ziele (Erlass BMfUKS Zl. 11.012/149-I/2/88):

ð

Schwerpunktartiges Erfassen von Problemen und Sachverhalten samt Ursachen, Zusammenhängen und Folgen.

ð Exakte Beobachtung und Wahrnehmung.
ð Logisches Denken, sinnvolle Fragestellung, Abstraktion, Verallgemeinerung.
ð Auffinden von Informationsquellen und ihre sachgerechte Nutzung.
ð Anwendung grundlegender Arbeitstechniken und von wissenschaftlichen Verfahrensweisen (zumindest in Ansätzen).
ð Differenziertes Ausdrucksvermögen, einwandfreie sprachliche Form.
ð Richtige Zitierung der benutzten Hilfsmittel.
ð Einwandfreie äußere Form.

 

2. Empirische Arbeiten/systematische Arbeiten

Je nachdem ob die FBA überwiegend auf eigenständige Er- und Verarbeitung von Primärmaterial ausgerichtet ist oder die Verarbeitung von Fachliteratur dominiert, können zwei Hauptgruppen von Fachbereichsarbeiten unterschieden werden:

ð Empirische Arbeiten
ð Systematische Arbeiten/Literaturarbeiten

Am intensivsten können die oben angeführten Fähigkeiten bei empirischen Arbeiten mit eigenständiger Er- und Verarbeitung von Primärmaterial trainiert werden. Sie verlangen allerdings eine intensivere Einarbeitung seitens des Maturanten/der Maturantin und eine umfangreichere Betreuung durch den Themensteller/die Themenstellerin.

Auch bei systematischen Arbeiten mit dem Schwerpunkt Fachliteraturauswertung und Verarbeitung können die Maturanten/Maturantinnen viel für das Studium profitieren.

Die Berechtigung derartiger Themenstellungen ergibt sich schon aus dem Begriff Wissenschaftliches Arbeiten, worunter nicht nur die Forschung im eigentlichen Sinn zu verstehen ist, sondern "auch die weitere Verarbeitung von Forschungsergebnissen, ihre Einarbeitung in neue gedankliche Zusammenhänge, ihre Verwendung zur Lösung realer Probleme usw." (Peterßen, 1987, S. 12/13). Außerdem können die Maturanten auch bei derartigen Themen Selbständigkeit erlernen und beweisen: durch die Anwendung wissenschaftlicher Arbeitstechniken und durch die Beschaffung von Literatur über Fernleihe oder von einschlägigen Institutionen. Wenn der Themensteller/die Themenstellerin beispielsweise im Fach Geografie und Wirtschaftskunde außerdem verlangt, dass die neuesten statistischen Unterlagen beschafft, ausgewertet und interpretiert werden, hebt sich eine FBA, die überwiegend auf der Verarbeitung von Fachliteratur aufgebaut ist, schon mit diesen empirischen Ansätzen über das Niveau des "wissenschaftlichen Abschreibens".

3. Die gesetzlichen Bestimmungen rund um die FBA

Die Erlässe des BMUK (folgende Erlässe des BMUK beziehen sich auf die Fachbereichsarbeit: Zl.11.012/149-I/2/88 vom 21.12.1988, Zl.11.012/28-I/2/89 vom 05.04.1989, Zl.11.012/41-I/2/90 vom 06.08.1990, 07.08.1990 und 26.09.1990, Zl.11.012/79-I/2/1990) und das BGBl. Nr. 432/1990 mit der Verordnung über die Reifeprüfung in AHS liegen in der Direktion auf. Daher werden hier nur die wichtigsten gesetzlichen Bestimmungen zusammengefasst:

F Termine

Die Anmeldung muss spätestens in der zweiten Schulwoche der achten Klasse in der Direktion mit schuleigenem Formular erfolgen, von wo das Thema an den Landesschulrat zur Genehmigung weitergeleitet wird. Nur bis zu dieser Genehmigung ist ein Rücktritt möglich.
Abgabe: Die FBA muss spätestens in der ersten Woche des 2. Semesters beim Direktor abgeben werden, dieser leitet sie an den Prüfer zur Beurteilung weiter.

F

Umfang: Über den Umfang der FBA gibt es keine strikten Vorgaben, da dieser je nach Thema stark variieren kann. Als Richtlinie können 15-25 Seiten angegeben werden.

F

Negative Beurteilung: Bei einer Beurteilung mit "Nicht Genügend" ist keine Verbesserung/Überarbeitung durch den Kandidaten vorgesehen. Der Kandidat/die Kandidatin hat dann eine vierte Klausurarbeit abzulegen. Sie wird durch die FBA ersetzt, wenn sie positiv beurteilt wurde.

4. Voraussetzungen für ein erfolgreiches Arbeiten im Rahmen der Fachbereichsarbeit

4.1. Themenfindung/Informationen über die FBA

Maturanten/Maturantinnen, die an einer FBA interessiert sind, sollten schon frühzeitig, spätestens im Laufe des Sommersemesters der siebenten Klasse, Informationen über mögliche Themen und die Anforderungen einer FBA beim zuständigen Fachprofessor einholen:

ð

Welche Themen sind denkbar ?
Den Fachprofessoren sind Themenvorschläge seitens der Maturanten/Maturantinnen willkommen (wenn das Thema vom Schwierigkeitsgrad und der Materiallage her für eine FBA geeignet erscheint).

ð

Inwieweit werden eigene Recherchen und Materialerarbeitung und/oder eigenständige Beschaffung von Literatur und anderer Unterlagen gefordert?

ð Was sind die fachlichen Anforderungen?

4.2. Einführung in die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens

Ideal ist es, die FBA in einem Fach zu schreiben, in dem das Wahlpflichtfach besucht wird. Denn hier können in handlungsorientiertem Unterricht gezielt selbständiges Arbeiten und fachspezifische Arbeitstechniken erlernt und geübt werden. Mit der schriftlichen Abfassung kleinerer Arbeiten können bereits die Methoden wissenschaftlichen Arbeitens angewendet werden.

Eine Voraussetzung dafür ist, dass die Schüler/innen die Einführung in die Grundlagen und Methoden wissenschaftlichen Arbeitens besuchen bzw. besucht haben. Sie findet am BRG Rohrbach im Wintersemester der 8. Klasse statt, ihr Besuch ist für Maturanten/Maturantinnen, die eine FBA schreiben, verpflichtend. Ideal ist es, wenn die Schüler/Schülerinnen schon in der siebenten Klasse daran teilnehmen.

Anhand eines Skriptums werden die Schüler/Schülerinnen im Rahmen des oben genannten Kurses auf der Basis zahlreicher Übungsbeispiele in die Techniken wissenschaftlichen Arbeitens eingeführt. Die Hauptinhalte sind aus dem Inhaltsverzeichnis des von Dr. Franz Humenberger eigens dafür erstellten 17 Seiten umfassenden Skriptums ersichtlich:

Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten
Ein Leitfaden für die Maturanten am BRG Rohrbach
zur Abfassung der Fachbereichsarbeit (FBA)
Von Dr. Franz Humenberger

1. Zielsetzung einer FBA
2. Literatur- und Materialsuche
    2.1. Materialarten
    2.2. Fundstellen für Schriftmaterial
    2.3. Auswertung von Schriftgut
    2.4. Sammeln von schriftlichem Material
3. Aufbau und Gliederung der Fachbereichsarbeit
4. Einleitung
5. Der Hauptteil der Arbeit - die eigentliche Abhandlung
    5.1. Der Textteil
        5.1.1. Die sprachliche und textliche Gestaltung
        5.1.2. Zitieren im Text
        5.1.3. Anmerkungen in Form von Fußnoten
    5.2. Tabellen
    5.3. Mengengrafische Abbildungen
    5.4. Fotos, Luftbilder und anderes Bildmaterial
6. Zusammenfassung
7. Literaturverzeichnis und Verzeichnis der Arbeitsgrundlagen
    7.1. Grundsätzliches zum Thema Literaturverzeichnis
    7.2. Die Literaturangaben
8. Anhang
9. Literatur zu den Themenkreisen
   "Wissenschaftliches Arbeiten"und FBA

BRG Rohrbach 1994

5. Zitierschema und Zitierbeispiele für das Literaturverzeichnis

5.1. Das Zitieren von Büchern erfolgt nach folgendem Schema:

Familienname, V. (Jahr). Titel. (Erscheinungsreihe, Bd.). Erscheinungsort:
    Verlag. Seitenanzahl.

Kramer, D. (1993). Der sanfte Tourismus. Sozial- und umweltverträgli-
   cher Tourismus in den Alpen. Wien: 206 S.

5.2. Zitieren von Büchern, die in einer Buchreihe erschienen sind:

Autor(en). Jahr. Buchtitel. (Name der Reihe, hrsg. v. Herausgebername/n,
   Bd.). Verlagsort: Verlag. Seitenangabe.

Kulinat, K. u. Steinecke, A. (1984). Geographie des Freizeit- und
     Fremdenverkehrs. (Erträge der Forschung, Bd. 212). Darmstadt:
     Wissenschaftliche Buchgesellschaft. 264 S.
Blume, H. (1987). USA. Eine geographische Landeskunde, Bd. I: Der
    Großraum in strukturellem Wandel. (Wissenschaftliche Länder-
    kunden, hrsg. v. W. Storkebaum, Bd. 9, 3. Aufl.). Darmstadt: Wissen-
    schaftliche Buchgesellschaft. 423 S.

5.3. Das Zitieren von Beiträgen in Herausgeberwerken:

Autor(en). Jahr. Beitragstitel. In: Herausgebername(n) (Hrsg.), Buchtitel.
     Verlagsort: Verlag. Seitenangabe.

Gettkant, A. (1995). Neue Technologien. In: I. Hauchler (Hrsg.), Globale
   Trends 1996. Fakten, Analysen, Prognosen. Frankfurt/M.: Fischer Ta-
   schenbuch Verlag. S. 469-496.
Illy, H.F. (1985). Plantage, Kleinstaat, Dependenz. Strukturmerkmale
  karibischer Länder. In: H. Nuhn (Hrsg.), Krisengebiet Mittelamerika:
  interne Probleme, weltpolitische Konflikte. (Forum Erde). Braun-
  schweig: Westermann. S. 234-242.

5.4. Das Zitieren von (Fach-)Zeitschriften:

Autor(en). (Jahr). Titel des Artikels. Name der Zeitschrift, Band/Jg.
  (Heft Nr.). Seiten.

Schneider-Sliwa, R. (1999). Nordamerikanische Innenstädte der Ge-
   genwart. Geographische Rundschau Jg. 51 (H. 1). S. 44-51.

5.5. Das Zitieren von Zeitungen:

Autor(en). (Jahr, Datum). Titel des Artikels. Name der Zeitung Nr. Seite(n).

Blume, G. (1998, 22. Dez.). Der Große Sprung zurück. Chinas Kom-
   munisten müssen erneut die Armut fürchten. Die Zeit Nr. 53. S. 25.

5.6. Zitieren von Beiträgen/Materialien aus dem Internet

Autor(en). (Jahr). Titel des Artikels. Internetadresse.

Chaladaj, J. (1996). Polen - Perspektiven der Transformation.
   http://www.localglobal.de/96/chaladaj.htm.

6. Literaturauswahl zum Thema Fachbereichsarbeit bzw. Wissenschaftliches Arbeiten

Deutsche Gesellschaft für Psychologie (Hrsg.). (1987). Richtlinien zur
   Manuskriptgestaltung. Göttingen: Verlag für Psychologie, Dr. C. J.
   Hogrefe.   43 S.
Hemmer, I. (1990). Wissenschaftspropädeutisches Arbeiten im
   Geographieunterricht. Geographie und Ihre Didaktik H. 4.
   S. 176-198.
Humenberger, F. (1990). Themenstellung und Themenwahl im Rahmen
   der  Fachbereichsarbeit zur Matura aus GW. GW Unterricht Nr. 40.
   S. 4-7.
Humenberger, F. (1991). Möglichkeiten, Grundlagen und Methoden
   wissenschaftlichen Arbeitens im Rahmen der Fachbereichsarbeit
   aus GW  (2. Teil). GW Unterricht Nr. 41. S. 14-22.
Humenberger, F. (1991). Möglichkeiten, Grundlagen und Methoden
   wissenschaftlichen Arbeitens im Rahmen der Fachbereichsarbeit
   aus GW  (3. Teil). GW Unterricht Nr. 42. S. 43-49.
Humenberger, F. (1994). Einführung in das Wissenschaftliche Arbeiten.
   Ein Leitfaden für die Maturanten am BRG Rohrbach zur Abfassung
   der Fachbereichsarbeit (FBA). BRG Rohrbach (Eigenvervielfältigung).
   17 S.
Peterßen, W.H. (1987). Wissenschaftliche(s) Arbeiten. Eine Einführung
   für Schüler  und Studenten (2. Aufl.). München: Ehrenwirth Verlag.
  149 S.
Rauscher, E. (1991). Wissenschaft lernen. (Beiträge zur Lehrerfortbil-
   dung Bd. 35). Wien: Österreichischer Bundesverlag. 200 S.
Rauscher, E. (1993). Wissenschaft (kennen-)lernen. Kompendium für
   Schüler (mit Hilfen zur Fachbereichsarbeit). Wien: Österreichischer
   Bundesverlag. 48 S.

BRG Rohrbach 1999

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